Karate in Belm-Powe?

Shotokan-Karate-Do, was ist das?

Karate-Do, übersetzt der Weg der leeren Hand, ist eine Kampfkunst, die aus Japan, genauer gesagt von Okinawa, der Hauptgruppe der Ryukyu-Inselkette, stammt. Den Einwohnern dieses von den Japanern Anfang des 17. Jh. besetzten Königreiches war das Waffentragen strikt verboten. Um sich dennoch zur Wehr setzen zu können, entwickelten sie im Geheimen eine Kampfkunst in die neben dem Okinawa-Te, der "Hand von Okinawa", einer einheimischen Form des Faustkampfes, auch Einflüsse des chinesischen Kempo (Kung-Fu) integriert wurden. Aufgrund der erzwungenen Heimlichkeit, mit der diese Fertigkeiten von den Meistern an ihre Schüler weitergegeben wurden, liegt vieles über die Entstehung des Karate-Do im Dunkeln. Zu Beginn des 20. Jh. wurde es dann aber auf Okinawa zum Schulsport erhoben. Erst 1922 gelangte Karate, vermittelt durch Gichin Funakoshi, den Begründer der von uns in Belm gelehrten Stilrichtung "Shotokan" von Okinawa nach Japan. In Europa ist es erst seit den 50er Jahren des 20. Jh. bekannt.

Warum aber kann das Training einer alten Kampfkunst aus einem fernen Land für Kinder und Jugendliche in Belm von Nutzen sein? Für den Außenstehenden, der Karate allenfalls aus Filmen kennt, drängt sich hier der Selbstverteidigungsaspekt förmlich auf. Doch birgt ein solches Training nicht die Gefahr, dass die Schüler zunehmend gewalttätiger werden? Interessanterweise belegen wissenschaftliche Studien aber im Gegenteil, dass Karatekas (=Karatetreibende) überdurchschnittlich friedfertige Menschen sind. Die Gründe hierfür finden sich in den grundlegenden Trainingsprinzipien: Das oberstes Ziel in der Kunst des Karate ist weder Sieg noch Niederlage, sondern die Vervollkommnung des eigenen Charakters. Eine der zentralen Regeln des Karate-Do lautet darum auch "Karate ni sente nashi", d. h. im Karate gibt es keinen ersten Angriff. Im Training selbst wird darüber hinaus großer Wert auf Höflichkeit gelegt und darauf, den Partner zu respektieren.

In der sogenannten Grundschule, dem "Kihon", werden ohne Partner die für den Anfänger ungewohnten Bewegungsabläufe, der Wechsel von Anspannung und Entspannung durch Wiederholung einzelner Schläge und Tritte oder einfacher Technikabfolgen einstudiert. Beim Training mit Partner, dem "Kumite" werden ausgehend von einzelnen Schlägen und Tritten, die allesamt kurz vor dem Ziel kontrolliert gestoppt werden müssen, Verteidigung und Abwehr, das Distanzgefühl sowie das Auge geschult. Die traditionell hohe Kunst des Karate-Do aber sind die "Kata", komplexe Folgen stilisierter Bewegungen, die zusammen einen Kampf mit einem oder mehreren unsichtbaren Gegnern symbolisieren. Im ursprünglichen Karate-Do auf Okinawa konzentrierten die alten Meister ihr gesamtes Wissen in ihren Kata und gaben es so an ihre Schüler weiter.

Das Training beginnt und endet immer mit einer kurzen, symbolischen Meditation. Auch die stete Wiederholung der Bewegungen dient nicht nur dem Einschleifen ungewohnter Bewegungsmuster sondern kann ebenfalls als konzentrierte Meditation in Bewegung betrachtet werden. Insbesondere wird sehr großer Wert auf eine kontrollierte und bewusste Atmung gelegt. Im Karate werden Koordinations- und Reaktionsvermögen, der Gleichgewichtssinn und die Ausdauer durch diese Wiederholung körperlich anstrengender, konzentrierter und dynamischer Bewegungen geschult. So lernen die Kinder durch Karate-Do Respekt und Vertrauen dem Partner gegenüber, können aber auch ihr Selbstvertrauen stärken. Bei alledem darf aber auch der Spaß nicht vergessen werden, den das Training allen Beteiligten immer wieder bereitet.

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